Schloss Übigau

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Geschichte

In der Blütezeit der Regentschaft Augusts des Starken, als die Residenzstadt Dresden noch prächtiger entwickelt werden sollte, als die Schlösser Moritzburg und Pillnitz opulent erweitert wurden, errichtete sein Erster Minister Flemming vor den Toren der Stadt ein vergleichsweise kleines Lustschloss.
Nicht gesichert ist, ob die Idee zur Errichtung dieses Schlosses weit vor den Toren der Residenzstadt Dresden zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf den Kurfürsten Friedrich August I. zurückgeht. Die Lage des Übigauer Schlosses, am Elbufer als „Point de vue“ einer Allee durch das Ostragehege, fügt sich ganz in die bekannten Pläne, seine Residenz mit aufwendigen und prunkvollen Bauten zu umgeben.
So wurden neben dem Bau des Zwingers entfernt liegende Anlagen wie Pillnitz und Großsedlitz intensiv vorangetrieben. Das ganze Ostragehege sollte dabei in groß angelegten Plänen zu einem „idealen“ Riesenpark im Anschluss zum geplanten Schlossneubau unterhalb des Zwingers gestaltet werden. Mehrere grandiose Alleen führten aus dem Zentrum vom Zwinger ausgehend in das Umland.

„Prospect des Schlosses Uebigau“ C.F. Boetius um 1740Jakob Heinrich von Flemming, der Erste Kabinettsminister, war an diesen Plänen maßgebend beteiligt. Von ihm stammt auch der entscheidende Grundgedanke zur Anlage des Lustschlosses am rechten Elbufer.
Bereits in den Jahren 1711 bis 1715 war beim Bau des Zwingers eine Allee, das Ostragehege durchquerend, angelegt worden. Diese „Übigauer Allee“ sollte nach seinen Ideen über zwei Kilometer, von vier Baumreihen gesäumt bis an die Elbe und zum gegenüberliegenden Schloss als Höhepunkt führen. Diese Allee ist in Teilen heute noch erlebbar. Der Kurfürst billigte seine Pläne und Flemming fand in Eosander von Göthe einen kongenialen Architekten.

Johann Friedrich Nilsson Eosander Freiherr von Göthe (23.08.1669 in Stralsund bis 22. Mai 1728 in Dresden) war einer der großen deutschen Baumeister des Spätbarocks. Eosander wirkte den größten Teils seines Lebens im Dienste der preußischen Könige. Zur Krönungsfeier Königs Friedrichs I. von Preußen am 16. Januar 1701 entwarf Eosander die Ausgestaltung der Schlosskirche in Königsberg. In Berlin wirkte der Baumeister zur selben Zeit wie Andreas Schlüter. Nach seinen Plänen erfolgte der Umbau der Schlösser Charlottenburg in Berlin, des Schlosses Monbijou in Berlin sowie des Schlosses Oranienburg in Oranienburg und des Schlosses Schönhausen. Ab 1707 wurde ihm die Leitung des Baues des Berliner übertragen.
Nach dem Tode König Friedrichs I. legte Eosander 1713 verließ Eosander Preußen. Ab 1722 ist er in Sachsen für den kurfürstlichen Hof tätig. In Übigau errichtete er zwischen 1724 und 1726 für Jakob Heinrich von Flemming das barocke Lustschloss. Es ist sein bekanntestes sächsisches als auch sein letztes Bauwerk von Rang. Zum Jahresende 1725 muss der Bau weit fortgeschritten sein, wie aus Briefwechseln hervorgeht.
Im Frühjahr 1726 verkauft Flemming recht überraschend das Schloss und seine zwei Häuser in Dresden für 100.000 Taler an August den Starken, der den Bau fortführen lässt. Eosander von Göthe behält jedoch die Bauleitung. Gleichwohl finden Planwechsel statt, die noch nicht gänzlich kunsthistorisch aufgearbeitet sind.
Es entsteht ein Schlossbau ohne wirkliche Vorbilder im europäischen Umfeld nördlich der Alpen. Ein Kernbau wird von einer zweigeschossigen unverglasten Arkade vollständig umgeben. Im Erdgeschoss führen die Arkaden über abgesenkte Partien an den Ecken direkt in die Parterres des Gartens. Im Obergeschoss sind hier Kabinette abgetrennt und bilden auf jeder Seite eine Loggia. Erste bauhistorische Untersuchungen lassen vermuten, dass zumindest anfänglich die Arkade offen allseitig umlief und die Ecken erst später geschlossen wurden.

Durch diese Grundanlage nimmt Schloss Übigau einen besonderen Platz in der Architektur des europäischen Spätbarocks ein, obwohl Details noch in Untersuchungen geklärt werden müssen. In den Jahren 1727 und 1728 wurde das Schloss durch August den Starken ausgiebig genutzt, so unter anderem bei einem Besuch des preußischen Königs. Nach 1727 wird der Architekt durch Zacharias Longelune abgelöst. Von diesem existieren mehrere Entwürfe, die wohl nicht umgesetzt wurden. Gleichwohl kann unter seiner Leitung eine gewisse Bau- und Ausstattungstätigkeit angenommen werden. Womöglich stammt die Veränderung der Arkaden im Obergeschoss aus seiner Zeit.
Nach dem Tode Augusts des Starken 1733 ging das Schloss an dessen Sohn Kurfürst Friedrich August II. über, der es 1733 Graf Alexander Joseph Sulkowsky schenkt. Bereits 1736 kauft der Kurfürst es zurück. Zu dieser Zeit sind die prägenden Baumaßnahmen und auch die Anlage des Parks längst abgeschlossen.
Eine markante Umgestaltung erfährt das Schloss um 1785 durch eine komplette Erneuerung des Dachstuhls mit dem Aufbau des Zwerchhauses mit Dreiecksgiebel auf der Parkseite. Das Wappenschild in dem Relief trägt das kurfürstliche Wappen.
Bei der napoleonischen Besetzung Dresdens 1813 erfährt das Schloss eine Plünderung, bei der die gesamte Inneneinrichtung zerstört wird. Seitens des Hofes wird um 1815 erstmals ein Verkauf erwogen, zuvor sollen Pläne zur Sanierung umgesetzt werden. Die Versteigerung des Schlosses an Amtszimmermeister Paul Siemen findet 1831 statt. Er repariert das Schloss, erweitert die Anlage um verschiedene Baulichkeiten und ersetzt die Orangerie durch Wirtschaftsgebäude.
Eine gänzlich neue Ära beginnt ab 1836, als Schloss und Umgebung in den Besitz von Andreas Schubert, dem Erfinder der ersten deutschen Dampflok, und seiner „Dresdner Aktien-Maschinenbauanstalt-Gesellschaft zu Übigau“ kommt. In der Folgezeit entsteht die bis weit in das 20.Jahrhundert existierende Maschinenfabrik und Schiffswerft.

1854 kommt es zu einem Verkauf an die Familie von Oppen, die es bis etwa 1886 behält. In dieser Zeit werden die zweigeschossigen Arkaden mit Ausnahme der Elbseite des Obergeschosses verglast. Ab 1877 gehört das Schloss zur Werft der „Kettenschiffahrt“, danach wieder zu einem Betrieb für Dampfkesselbau. Durch einen Pächter wird ab etwa 1886 bis 1921 eine "Schloßschänke Uebigau“ betrieben.
Um 1900 ist das Schloss im Besitz der „Dresdner Maschinengesellschaft und Schiffswerft AG“ nachweisbar. Nach verschiedenen Besitzerwechseln wird 1930 der Übigauer "Zentralverein für Arbeitersport Dresden 1885 e.V." Miteigentümer des Schlosses. Ab 1948 wurde es als Verwaltungssitz des "VEB Dampfkesselbau Übigau“ und dessen Nachfolgebetrieben genutzt. Ab Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts steht das Anwesen leer.

Bauzustand

Relief an der Gartenfront 2008Die letzten qualitativ hochwertigen Erneuerungs- und Ausstattungsarbeiten fallen in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts in die Zeit der Familie von Oppen. Es wurden in diesen Jahren Ausstattungsteile wie Fenster, Türen, Fußböden und Wandverkleidungen erneuert und das gesamte Schloss in einen baulich guten Zustand gebracht. Die Arkaden müssen zu dieser Zeit mit Ausnahme des parkseitigen Obergeschosses vollständig geschlossen worden sein.
Die folgenden Jahrzehnte sind, nach dem Zustand der älteren Bauteile zu urteilen von intensiver Nutzung und wenig qualitätsvollen Reparaturen bestimmt gewesen sein. Die noch in Resten vorhandenen Gaupen des späten 18. Jahrhunderts sind in den späten 1920er Jahren entfernt worden.
In der Nachkriegszeit sind auch die noch vorhandenen Gaupen gegen Dachliegefenster ausgetauscht worden. Da lediglich Anpassungen an die jeweilige Nutzung und notdürftige Instandhaltungsaufwendungen vorgenommen wurden, verschlechterte sich der Zustand latent, wie aus einer Bauzustandsanalyse von 1983 hervorgeht. Eine Planung zu einer umfassenden Sanierung aus dem Jahr 1984 hat, wenn sie denn begonnen wurde, nicht zu einer grundhaften Revitalisierung geführt.

Kommende Schritte 

Im Jahr 2008 sind am Dach des Schlosses notwendige Sicherungsarbeiten an der Eindeckung und der Dachentwässerung durchgeführt worden, so dass die Gefahr von Einregnungsschäden gebannt wurde. Die Dächer der Wirtschaftsgebäude wurden in den Jahren 2008 bis 2009 mit Unterstützung durch eine Förderung des Freistaates Sachsen repariert und neu eingedeckt.
Für die dauerhafte Sicherung des Dachstuhls und die denkmalgerechte Neueindeckung des Schlossdaches wird im September 2009 ein weiterer Fördermittelantrag gestellt. Die Planungen dazu liegen dem Denkmalschutzamt zur Genehmigung vor. Sie werden in den laufenden Untersuchungen weiter vervollständigt und fortgeschrieben.
Der Förderverein wird sein Wirken in den Dienst von kulturellem und künstlerischem Leben im Schloss und im Park stellen. Dafür sollen öffentliche Veranstaltungen, Ausstellungen und Foren organisiert werden, aber auch private Anlässe möglich sein.